Aqualizer bei CMD: Soforthilfe aus dem "Wasserbett" für den Kiefer
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Sandra, 42, seit 2 Jahren Patientin bei mir in der Praxis, wachte morgens regelmäßig mit schmerzendem Kiefer und Spannungskopfschmerzen auf. Oft fühlte sich ihr Biss „falsch“ an, als würden ihre Zähne nicht richtig aufeinander passen.
In ihren Worten: “An den meisten Tagen bin ich schon um 4 Uhr aufgewacht weil die Kieferschmerzen mich nicht mehr schlafen liessen”
Nach Jahren mit nächtlichem Zähneknirschen und erfolglosen Versuchen mit Wärmekissen und Schmerzmitteln war Sandra extrem frustriert. Bei ihrer ersten Untersuchung bei mir in der Praxis erhielt sie die Diagnose CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion).
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Klicken Sie jetztLetzten Monat bei der Kontrolluntersuchung hat sie mich auf den Aqualizer angesprochen und was ich davon halte. Ich gehe hier in diesem Artikel darauf ein, ob dieses unscheinbare kleine Kunststoffteil der Schlüssel zu entspannten Kiefern sein könnte.
Der CMD Aqualizer wirkt wie ein Wasserbett für den Kiefer und kann bei akuten CMD-Beschwerden kurzfristig Muskeln und Kiefergelenke entlasten.
Was ist der Aqualizer?
Der Aqualizer ist eine besondere Art von Aufbisshilfe – genauer gesagt eine hydrostatische, wassergefüllte Bissschiene. Man kann ihn sich wie ein Miniatur- „Wasserbett“ für den Kiefer vorstellen. Der Aqualizer besteht aus dünnen, mit Flüssigkeit gefüllten Polstern (Beißkissen), die über einen flexiblen Verbindungsschlauch miteinander verbunden sind.
Dieses weiche Schienenkissen wird fertig konfektioniert geliefert und einfach zwischen Ober- und Unterkiefer gelegt, ohne dass eine aufwändige Anpassung durch den Zahnarzt oder ein Zahnlabor nötig wäre. Durch die Wasserfüllung passt sich der Aqualizer automatisch an die Zahnreihen und Kieferform des Patienten an – er „schwimmt“ sozusagen zwischen den Zähnen und der Patient nimmt darauf eine Schonhaltung ein bzw. die Bisslage, die ihm angenehmer ist.
Varianten: Der Aqualizer ist in unterschiedlichen Ausführungen und Größen erhältlich. Alle Modelle gibt es mit drei sogenannten Bisshöhen – Low, Medium und High – was der Füllmenge und damit der Dicke der Wasserpolster entspricht.
Die mittlere Höhe (Medium, ca. 2 mm) passt in der Regel bei den meisten Erwachsenen und wird in rund 90 % der Fälle gewählt.
Low (ca. 1 mm) eignet sich für sehr empfindliche Personen oder wenn jemand den Mund nicht so weit öffnen kann.
Die High-Variante (ca. 3 mm Höhe) wird seltener benötigt – sie kann bei starkem Tiefbiss sinnvoll sein, ist aber wegen der größeren Polster etwas fester und unter Umständen weniger bequem.
Neben der Höhe gibt es auch verschiedene Formen:
Das Standardmodell Ultra hat breite seitliche Flügel für einen sicheren Halt im Oberkiefer. Daneben gibt es Slim (schmalere, ergonomisch geformte Polster für mehr Tragekomfort) und Mini (eine kürzere Variante für Kinder, sehr kleine Kiefer oder Patienten mit fehlenden Backenzähnen).
Der Aqualizer kann auch in stressigen Zeiten auf der Arbeit eingesetzt werden
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Klicken Sie jetztWie wirkt der Aqualizer?
Die Wirksamkeit des Aqualizers beruht auf einem einfachen physikalischen Prinzip: Pascal’sches Gesetz. Dieses besagt, dass Druck in einer geschlossenen Flüssigkeit sich gleichmäßig in alle Richtungen verteilt. Übertragen auf den Kiefer bedeutet das: Wenn man auf die wassergefüllten Polster des Aqualizers beißt, verteilt sich der Kaudruck automatisch gleichmäßig auf beide Seiten.
Es gibt keinen harten Zähnekontakt mehr mit einzelnen Vorkontakten, die Schmerzen verursachen – stattdessen schwimmen die Zähne gewissermaßen auf dem Wasserpolster. Dadurch werden Fehlbelastungen sofort ausgeglichen. Ober- und Unterkiefer können sich stressfrei in eine Position einpendeln, in der die umliegende Muskulatur am entspanntesten ist. Die Kaumuskeln, die zuvor durch falsche Bisskontakte oder nächtliches Zähnepressen verkrampft waren, können sich lockern.
Der Aqualizer „entkoppelt“ also das Gebiss: Die Zähne werden vorübergehend von ihrem üblichen zwanghaften Kontakt befreit, sodass der Körper spontan die Kiefergelenke in eine ausgewogenere Haltung bringen kann.
Entlastung von Muskeln, Zähnen und Gelenken: Es entspannt sich die überlastete Kaumuskulatur, was oft zu einer spürbaren Reduktion von Kieferschmerzen und Spannungskopfschmerzen führt. Nicht zuletzt werden auch die Kiefergelenke entlastet, weil das Wasserpolster wie ein Stoßdämpfer wirkt und asymmetrische Fehlkontakte vorübergehend eliminiert. Der Effekt ist häufig schon nach kurzer Zeit merkbar:
Stellen Sie sich vor: Morgens voller Leichtigkeit aufwachen und sofort durchschlagende Power für den Tag zu haben
Ein entspannter Kiefer kann erstaunlich viel bewirken. Damit Sie sofort etwas für sich tun können, habe ich einen kleinen Ratgeber erstellt:
Wissenschaftliche Fakten und Erfahrungen
Zahnärzte setzen den Aqualizer häufig bei akuten Schmerzen ein, zum Beispiel wenn Patienten mit CMD über starke Spannungskopfschmerzen durch Bruxismus (Zähneknirschen) klagen. Durch das Einlegen der Wasserschiene werden die verspannte Muskulatur und das Kiefergelenk meist innerhalb kurzer Zeit entlastet, was die Beschwerden deutlich lindern kann. Tatsächlich verspüren die meisten Betroffenen bereits nach 20 bis 30 Minuten eine spürbare Erleichterung.
Bei sehr ausgeprägten Fällen kann es auch mal eines oder zwei Tage intermittierenden Tragens bedürfen, bis eine deutliche Besserung eintritt.
Bei Sandra hat der Aqualizer nach 2-3 Tagen die gewünschte Besserung erzielt
Bleibt die Linderung vollständig aus, deutet das darauf hin, dass die Ursache der Schmerzen womöglich doch nicht primär im Biss liegt – in so einem Fall sollte der Zahnarzt die Diagnosesuche erweitern. Doch in der Regel ist der Aqualizer ein guter Indikator: Wenn er hilft, spielen Fehlkontakte der Zähne oder Stress im Kausystem als Auslöser der Beschwerden eine wesentliche Rolle.
Auch klinische Studien liefern objektive Belege: Eine österreichische Pilotstudie (Simma-Kletschka et al. 2025) verglich drei initiale Therapiemethoden bei myofaszialen Kieferschmerzen – nämlich den Aqualizer, Physiotherapie und Akupunktur.
Dabei zeigte sich, dass sowohl der Aqualizer als auch Physioübungen alle relevanten Schmerz- und Funktionsparameter deutlich verbessern konnten (Ausnahme: die maximal mögliche Mundöffnung blieb unverändert). Von den drei Methoden schnitt die Physiotherapie insgesamt am besten ab, direkt gefolgt vom Aqualizer, während auch die Akupunktur gewisse Vorteile brachte. Dies bestätigt, dass die Wasserschiene durchaus effektiv ist, auch wenn begleitende Maßnahmen – gerade physiotherapeutische Übungen – sie noch ergänzen und verstärken können.
Der Aqualizer wird beim CMD-Spezialisten ausschließlich als Übergangslösung eingesetzt, bevor eine maßgefertigte Aufbissschiene angefertigt wird. Er dient dann quasi als Soforthilfe, um die schlimmsten Schmerzen zu nehmen und die Muskulatur zu entspannen, sodass anschließend in Ruhe eine umfassende Diagnose und Therapieplanung erfolgen kann. Viele meiner Patientinnen und Patienten empfinden diese schnelle Entlastung als Segen – endlich mal locker lassen können im Kiefer und auf andere Gedanken kommen! – und nutzen den Aqualizer auch begleitend zu anderen Behandlungen (etwa zwischen Physiotherapie-Terminen) weiter.
Fühlen Sie wieder volle Energie
Klicken Sie jetztNachteile des Aqualizer
Da der Aqualizer ein Kissen ist, das mit Wasser gefüllt ist, hält er klassischerweise wenig Kaudruck aus. So können die meisten Patienten ihn weder nachts tragen, noch bei sportlicher Betätigung oder beim Anheben von schweren Gegenständen, da beim kräftigen Zubeisssen die Hülle reist, das Wasser ausläuft und dann die Wirkung des Aqualizers weg ist.
Auch die Hygienefähigkeit ist nur bedingt möglich.
Die Anwendung des Aqualizers ist damit immer dem Akutstadium vorbehalten, bzw. nur für kurze Sequenzen mal zwischendurch, z.B. nach Physiotherapie , um das Therapieergebnis vor Einschleifen einer definitiven CMD Schiene zu erhalten.
Zusammenfassung
Zusammengefasst ist der Aqualizer kein Wundermittel, aber ein sinnvolles Puzzlestück im Maßnahmenkatalog gegen CMD-Beschwerden. Er ersetzt weder eine gründliche Diagnostik noch bei Bedarf eine umfassende Behandlung durch den Zahnarzt oder Therapeuten – doch als schnelle Hilfe für zwischendurch hat er einen festen Stellenwert.
Wie geht es weiter?
Wenn Sie verstehen, wie CMD entsteht, haben Sie bereits den wichtigsten Schritt gemacht: Sie können Ihre Symptome einordnen.
Lesen Sie meinen weiterführenden Artikel zum Thema:
👉 Kann CMD geheilt werden? – Welche Faktoren die Heilung beeinflussen und was Sie selbst tun können.
Über die Autorin
Dr. Silke Raitarowsky ist Zahnärztin mit eigener Praxis in Bad Homburg und spezialisiert auf die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend CMD sein kann – denn sie war selbst jahrelang betroffen.
Nach unzähligen Fortbildungen und intensiver Auseinandersetzung mit Fachliteratur gelang ihr der Durchbruch: Sie konnte ihre Beschwerden dauerhaft lindern – ganz ohne Schiene. Heute hilft sie anderen Betroffenen, ihre CMD zu verstehen, gezielt zu behandeln und wieder neue Lebensqualität zu gewinnen.
Dr. Raitarowsky hat ein eigenes, leitlinienkonformes Behandlungskonzept entwickelt, das fundiertes Fachwissen mit einer verständlichen, alltagstauglichen Anleitung kombiniert. In ihrer Praxis behandelt sie regelmäßig auch schwere Fälle – Menschen, die durch CMD arbeitsunfähig wurden, ihre Partnerschaft nicht mehr leben konnten oder sich völlig zurückgezogen hatten.
Sie ist außerdem Autorin des Buches „CMD verstehen und meistern“ sowie Entwicklerin des Online-Masterkurses „CMD heilen“, der Betroffene Schritt für Schritt durch ein ganzheitliches Selbstbehandlungsprogramm führt. Beide Angebote basieren auf ihrer langjährigen Erfahrung und vermitteln kompaktes Wissen in praxisnaher Form.
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Aqualizer bei CMD – das sollten Sie noch wissen
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Der Aqualizer ist eine wassergefüllte Aufbisshilfe, die kurzfristig zwischen die Zähne gelegt wird. Er wird vor allem zur akuten Entlastung der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke eingesetzt, etwa bei CMD-bedingten Schmerzen oder Spannungskopfschmerzen durch Zähneknirschen.
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Viele Betroffene verspüren bereits nach 20 bis 30 Minuten eine spürbare Entlastung. In ausgeprägteren Fällen kann es erforderlich sein, den Aqualizer über ein bis zwei Tage intermittierend zu tragen, bis eine deutliche Besserung eintritt.
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Nein. Der Aqualizer ist keine Langzeittherapie, sondern eine Übergangs- und Soforthilfe. Er dient dazu, akute Schmerzen zu lindern und Hinweise auf die Ursachen der Beschwerden zu liefern, ersetzt aber keine umfassende Diagnostik oder individuelle Schienentherapie.
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Eine spürbare Linderung spricht dafür, dass Fehlkontakte der Zähne, muskuläre Überlastung oder Stress im Kausystem eine wesentliche Rolle bei den Beschwerden spielen. In diesem Fall ist eine weiterführende CMD-Diagnostik sinnvoll.
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Bleibt eine Entlastung vollständig aus, deutet dies darauf hin, dass die Ursache der Schmerzen möglicherweise nicht primär im Biss liegt. Dann sollte die Diagnostik erweitert werden, z. B. in Richtung Halswirbelsäule, Muskulatur oder anderer funktioneller Zusammenhänge.
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Nein. Der Aqualizer kann physiotherapeutische Maßnahmen, Stressmanagement oder eine individuell angepasste Aufbissschiene nicht ersetzen. Studien zeigen jedoch, dass er kurzfristig wirksam sein kann und andere Therapien sinnvoll ergänzt.
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Der Aqualizer eignet sich vor allem für Patientinnen und Patienten mit akuten CMD-Beschwerden, Spannungskopfschmerzen oder starkem Bruxismus, wenn zunächst eine schnelle Entlastung benötigt wird, bevor eine langfristige Therapie geplant wird.