Halswirbelsäulen Blockaden und CMD: Warum HWS und CMD so oft zusammenhängen (und was wirklich dahintersteckt)

 

Wenn der Kiefer „spinnt“, denkt man zuerst an Zähne, Schienen oder Knirschen. Wenn der Nacken dicht macht, an Bürohaltung, Stress oder „eine Blockade“. In der Praxis treffen aber erstaunlich oft beide Welten aufeinander: Halswirbelsäulen-Blockaden und CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) sind nicht selten Teil desselben Problems – oder sie verstärken sich gegenseitig.

Der Punkt ist: HWS und CMD sind keine getrennten Baustellen. Kiefer, Schädelbasis und obere Halswirbelsäule sind biomechanisch und neurophysiologisch eng gekoppelt. Genau das erklärt, warum viele Betroffene jahrelang zwischen Zahnarzt, Orthopädie, HNO und Physio pendeln – und trotzdem nicht „den Hebel“ finden.

HWS und CMD sind keine getrennten Baustellen

Die Grafik zeigt deutlich: HWS und CMD sind keine getrennten Baustellen

Was sind Halswirbelsäulen-Blockaden – und warum „oben“ so entscheidend ist?

Mit „Blockade“ ist meist eine funktionelle Bewegungsstörung gemeint: Ein Segment der Wirbelsäule bewegt sich nicht mehr frei, die Muskulatur reagiert mit Schutzspannung, und daraus entstehen Schmerzen, Steifigkeit, Ausstrahlungen – manchmal auch Schwindel oder Kopfschmerz.

Besonders relevant für HWS und CMD ist die obere HWS (C0–C3: Schädelbasis, Atlas, Axis). Dort sitzt die „Steuerzentrale“ für Kopfposition, Blickstabilisierung und ein großer Teil der sensomotorischen Rückmeldungen aus Nackenmuskeln und Gelenken. Wenn dieser Bereich dauerhaft überlastet oder „fest“ ist, verändert sich oft unbewusst die Kopf- und Kieferposition – und damit die Belastung im Kiefergelenk.

Was ist CMD – und warum ist es selten „nur der Biss“?

CMD ist ein Sammelbegriff für Störungen im Zusammenspiel von Kiefergelenken, Kaumuskulatur, Zähnen und Nervensystem. Klassische Zeichen sind Kieferknacken, Kieferschmerzen, eingeschränkte Mundöffnung, Pressen/Knirschen – aber in der Realität kommen häufig Beschwerden dazu, die zuerst niemand mit dem Kiefer verbindet: Nackenverspannungen, Kopfschmerzen, Ohrdruck, Tinnitus, Schwindel sind nur wenige der zahlreichen CMD-Symptome.

Wichtiges CMD-Wissen:
CMD ist meist multifaktoriell. Stress, Muskeltonus, Schlaf, Haltung, Zahnkontakte, Trauma (z. B. Schleudertrauma), aber auch Gewohnheiten wie einseitiges Kauen können zusammenwirken.
was ist eine CMD?

Kein Zufall: In stressigen Zeiten häufen sich bei CMD-Betroffenen die Symptome

Der Schlüssel: Warum HWS und CMD sich gegenseitig beeinflussen können

Es gibt zwei Erklärungs-Wege – beide werden in der Forschung immer wieder genannt:

1) Mechanik & Muskelketten: „Kopfhaltung ändert Kiefer – Kiefer ändert Kopfhaltung“

Wenn die obere HWS nicht stabil und frei beweglich ist, kompensiert der Körper. Das kann die Kieferposition minimal verändern – und beim Kiefer reichen manchmal schon „kleine“ Änderungen, um dauerhaft Spannung ins System zu bringen. Umgekehrt kann ein dauerhaft erhöhter Tonus in der Kaumuskulatur (z. B. durch Pressen) Nackenmuskeln negativ beeinflussen..

Die Studienlage stützt diese klinische Beobachtung: Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse fand moderate bis starke Evidenz, dass Patientinnen und Patienten mit CMD häufiger Nackenbeschwerden, verminderte Ausdauer der Nackenstrecker sowie globale und obere HWS-Hypomobilität zeigen – also weniger Beweglichkeit, gerade in den oberen Segmenten. PubMed

2) Nervenverschaltung: „Trigeminus trifft obere HWS“

Gesicht/Kiefer (Trigeminus-System) und die obere Halswirbelsäule teilen sich im Hirnstamm wichtige Schaltstellen. Das kann erklären, warum Schmerzen „wandern“ oder falsch zugeordnet werden (z. B. Kieferschmerz aus dem Nacken oder Nackenschmerz aus dem Kiefer). In einer Arbeit zur Beziehung zwischen CMD und zervikalen Störungen wird genau diese neurophysiologische Projektion als Mechanismus betont. CCM-PT


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Was sagen Studien konkret? Die 3 wichtigsten Takeaways

Studie 1: CMD-Therapie kann die HWS messbar verbessern

Eine randomisierte Studie mit 60 Betroffenen (CMD + HWS-Schmerzen + eingeschränkter HWS-Beweglichkeit) untersuchte, ob eine CMD-Therapie (u. a. Schienentherapie) die HWS beeinflusst. Ergebnis: Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule verbesserte sich, und Schmerzen nahmen ab – im Vergleich zur Kontrollgruppe. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass HWS und CMD funktionell gekoppelt sind und man mit einer Kiefer-Intervention auch den Nacken „mit beruhigen“ kann. PubMed+1

Studie 2: Meta-Analyse – mehr Nackenprobleme bei CMD, aber nicht zwingend „schiefe Kopfhaltung“

Die Meta-Analyse von de Oliveira-Souza et al. zeigte: Bei CMD findet man häufig zervikale Hypomobilität und mehr Nacken-Disability – allerdings war die statische kraniozervikale Haltung im Durchschnitt nicht zwingend anders als bei Kontrollen. Übersetzt: Viele CMD-Betroffene sehen äußerlich nicht „schief“ aus – aber funktionell (Beweglichkeit/Belastbarkeit) ist die HWS oft betroffen. PubMed+1

Studie 3: Systematische Analyse – typische kraniozervikale Besonderheiten bei TMD

Eine weitere systematische Arbeit untersuchte kraniozervikale und HWS-Merkmale bei TMD (TMD=CMD) und bestätigt, dass Nacken-Disability und zervikale Einschränkungen häufig zusammen auftreten, was die interdisziplinäre Diagnostik untermauert. pmc.ncbi.nlm.nih.gov+1

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Typische Symptome: Wann Sie an HWS Blockaden und CMD gemeinsam denken sollten

Wenn Sie eines davon haben, ist das noch kein Beweis. Wenn mehrere Punkte zusammenkommen, lohnt sich der „HWS und CMD“-Blick:

  • Kieferknacken oder Kieferschmerz plus Nackensteifigkeit

  • Kopfschmerzen (Schläfen/ Hinterkopf) plus Druck im Kiefergelenk

  • Tinnitus/Ohrdruck plus verspannter Nacken/Schultergürtel

  • Schwindel/Benommenheit plus Zähnepressen oder morgendliche Kiefermüdigkeit

  • Schmerzen, die „wandern“: mal Kiefer, mal Nacken, mal Schläfen

Klarheit erfahren
Gerade bei komplexen Beschwerden ist die wichtigste Frage nicht: „Ist es der Kiefer oder die HWS?“ – sondern: „Welche Faktoren halten das System in Spannung?“

Diagnostik: So wird’s wirklich sauber abgeklärt (ohne Rätselraten)

Eine gute Abklärung besteht idealerweise aus zwei parallelen Teilen:

CMD-Check (Zahnmedizin / Funktionsdiagnostik)

  • Funktionsprüfung Kiefergelenk, Kaumuskulatur, Mundöffnung

  • Zahnkontakte/Okklusion (auch dynamisch)

  • Hinweise auf Bruxismus (Schliff Facetten, Druckempfindlichkeit)

HWS-Check (Physio/Manualmedizin/Orthopädie)

  • Beweglichkeit (global und speziell obere HWS)

  • Triggerpunkte/Schutzspannung im Nacken

  • Kopfgelenke (C0–C2) und Schultergürtel-Statik

  • Funktionstests (z.B. Derbolowski-Test),

  • Was passiert mit Nackenbeweglichkeit unter entlastetem Biss?

Warum interdisziplinär? Weil die Evidenzlage genau dahin zeigt: TMD/CMD wird in modernen Arbeiten als multimodal zu managen beschrieben, wobei Physiotherapie und konservative Verfahren zentrale Rollen spielen. pmc.ncbi.nlm.nih.gov+1

Dr. Silke Raitarowsky bei der interdisziplinären Funktionsdiagnostik: Erst das Zusammenspiel aus CMD-Check und HWS-Untersuchung ermöglicht eine saubere Abklärung ohne Rätselraten – fundiert, strukturiert und multimodal.


Therapie: Was hilft bei HWS und CMD – und warum Kombination fast immer besser ist

1) Konservative CMD-Therapie (z. B. Schiene, Entlastung, Muskelbalance)

Schienen können die Kaumuskulatur entlasten und „Störkontakte“ beruhigen. Spannend ist: Genau hier zeigte die oben genannte RCT-Studie auch Effekte auf die HWS-Beweglichkeit. PubMed

2) Physiotherapie / Manualtherapie für HWS + Kiefer

In vielen Fällen ist das der fehlende Baustein: Mobilität, Nackenmuskel-Ausdauer, Koordination, myofasziale Entspannung – und Übungen, die das System stabilisieren.

3) Stress- & Bruxismus-Management

Wenn Pressen/Knirschen der Haupttreiber ist, kann keine Technik „gegen den Stress“ gewinnen. Hier helfen: Schlafhygiene, Kiefer-Awareness, Tages-Entspannung, ggf. Biofeedback.

4) Multimodales Vorgehen statt „alles auf eine Karte“

Eine neuere Übersicht zur multimodalen konservativen Therapie betont die Bedeutung nicht-invasiver, kombinierter Maßnahmen im TMD-Management. pmc.ncbi.nlm.nih.gov+1

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Wie geht es weiter?

Wenn Sie verstehen, wie CMD entsteht, haben Sie bereits den wichtigsten Schritt gemacht: Sie können Ihre Symptome einordnen.

Lesen Sie meinen weiterführenden Artikel zum Thema:


👉 Kann CMD geheilt werden? – Welche Faktoren die Heilung beeinflussen und was Sie selbst tun können.


Dr. Silke Raitarowsky

Über die Autorin

Dr. Silke Raitarowsky ist Zahnärztin mit eigener Praxis in Bad Homburg und spezialisiert auf die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend CMD sein kann – denn sie war selbst jahrelang betroffen.

Nach unzähligen Fortbildungen und intensiver Auseinandersetzung mit Fachliteratur gelang ihr der Durchbruch: Sie konnte ihre Beschwerden dauerhaft lindern – ganz ohne Schiene. Heute hilft sie anderen Betroffenen, ihre CMD zu verstehen, gezielt zu behandeln und wieder neue Lebensqualität zu gewinnen.

Dr. Raitarowsky hat ein eigenes, leitlinienkonformes Behandlungskonzept entwickelt, das fundiertes Fachwissen mit einer verständlichen, alltagstauglichen Anleitung kombiniert. In ihrer Praxis behandelt sie regelmäßig auch schwere Fälle – Menschen, die durch CMD arbeitsunfähig wurden, ihre Partnerschaft nicht mehr leben konnten oder sich völlig zurückgezogen hatten.

Sie ist außerdem Autorin des Buches „CMD verstehen und meistern“ sowie Entwicklerin des Online-Masterkurses „CMD heilen“, der Betroffene Schritt für Schritt durch ein ganzheitliches Selbstbehandlungsprogramm führt. Beide Angebote basieren auf ihrer langjährigen Erfahrung und vermitteln kompaktes Wissen in praxisnaher Form.

Mehr über Dr. Raitarowsky erfahren

HWS und CMD – das sollten Sie noch wissen

  • Ja. Einschränkungen oder dauerhafte Spannungen in der oberen Halswirbelsäule (C0–C3) können die Kopf- und Kieferposition verändern. Dadurch steigt die Belastung im Kiefergelenk und in der Kaumuskulatur – ein möglicher Auslöser oder Verstärker einer CMD.

  • Ja. Ein dauerhaft erhöhter Muskeltonus durch Zähnepressen oder Kieferfehlfunktionen kann Nacken- und Schultermuskulatur überlasten. Viele Betroffene spüren Nackenschmerzen, obwohl die Ursache im Kiefer liegt.

  • Kiefer, Schädelbasis und obere Halswirbelsäule sind biomechanisch und neurophysiologisch eng miteinander verbunden. Störungen in einem Bereich wirken sich oft auf den anderen aus – deshalb treten Beschwerden häufig kombiniert auf.

  • Typisch sind Kieferknacken oder -schmerzen zusammen mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen im Schläfen- oder Hinterkopfbereich, Ohrdruck, Tinnitus, Schwindel oder „wandernde“ Schmerzen zwischen Kiefer und Nacken.

  • In vielen Fällen nicht. Wird nur ein Bereich behandelt, bleibt der andere oft ein Störfaktor. Studien zeigen, dass ein kombinierter Ansatz aus CMD-Therapie und HWS-Behandlung deutlich bessere Ergebnisse liefert.

  • Eine saubere Diagnostik umfasst einen CMD-Check (Kiefergelenk, Kaumuskulatur, Okklusion) und eine funktionelle Untersuchung der Halswirbelsäule – besonders der oberen Segmente. Wichtig ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

  • Ja, indirekt. Durch die Entlastung des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur kann sich der Muskeltonus im Nacken reduzieren. Studien zeigen, dass sich unter CMD-Therapie auch die Beweglichkeit der HWS verbessern kann.

  • Die entscheidende Frage lautet nicht: „Ist es der Kiefer oder der Nacken?“
    Sondern: Welche Faktoren halten das System dauerhaft in Spannung – und wie lassen sie sich gemeinsam lösen?

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Was ist CMD? Ursachen, Symptome und sanfte Behandlung der Craniomandibulären Dysfunktion