CMD und Augen: Sehstörungen, Augendruck und weitere Symptome

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Kurz zusammengefasst

Können Augenbeschwerden mit CMD zusammenhängen?

CMD kann bei manchen Menschen gleichzeitig mit Beschwerden wie Augendruck, Schmerzen hinter den Augen, verschwommenem Sehen oder schnell ermüdenden Augen auftreten. Ein möglicher Zusammenhang ist vor allem dann denkbar, wenn zusätzlich Kiefer-, Kopf- oder Nackenbeschwerden bestehen und sich die Augensymptome bei Kieferanspannung, Zähnepressen oder längerer Bildschirmarbeit verändern.

Allerdings ist bislang nicht eindeutig belegt, dass CMD solche Sehstörungen direkt verursacht. Die Forschung beschreibt bisher vor allem mögliche Zusammenhänge und Erklärungsmodelle, aber keinen sicheren ursächlichen Nachweis für jeden Einzelfall. Deshalb sollten Augenbeschwerden zunächst augenärztlich und – je nach Symptomatik – auch neurologisch abgeklärt werden. Erst wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden, kann geprüft werden, ob eine CMD oder eine ausgeprägte Kiefer- und Nackenverspannung an den Beschwerden beteiligt sein könnte.

Viele Menschen denken bei Sehstörungen zuerst an die Augen selbst – doch manchmal liegt die Ursache an einem ganz anderen Ort: im Kiefer. Eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) kann Funktionen im Kopfbereich beeinflussen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Kiefer zu tun haben. Dazu gehört auch das Sehen.

Vielleicht haben Sie schon länger das Gefühl, dass Ihre Augen an manchen Tagen anders reagieren. Die Konturen wirken nicht so klar. Das Lesen am Bildschirm strengt Sie schneller an. Manche Betroffene klagen über Augenschmerzen oder Stiche hinter den Augen.

CMD und Sehstörungen

Wie CMD Sehstörungen beeinflussen kann – die feinen Verbindungen zwischen Kiefer und Augen.

Wenn Augenärzte bestätigen, dass „alles in Ordnung“ ist, aber das Sehen sich dennoch verändert anfühlt, lohnt sich ein Blick auf den Kiefer – besonders dann, wenn gleichzeitig regelmäßig Kopfschmerzen, Verspannungen im Nacken, Druck im Kiefer oder Zähneknirschen auftreten.

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Welche CMD-Symptome können an den Augen auftreten?

Ich begleite seit über 20 Jahren Menschen mit CMD – und viele berichten mir von ähnlichen Erfahrungen: Die Augen sind medizinisch völlig gesund, doch das Sehen fühlt sich nicht stabil an. Augenbeschwerden gehören nicht zu den klassischen Symptomen einer craniomandibulären Dysfunktion. Dennoch berichten einige meiner Patienten und Patientinnnen mir, dass Probleme wie Augendruck, Schmerzen hinter den Augen oder verschwommenes Sehen gemeinsam mit Kiefer-, Kopf- und Nackenbeschwerden auftreten. Besonders auffällig ist dies, wenn sich die Symptome bei Stress, Zähnepressen, längerer Bildschirmarbeit oder einer starken Anspannung des Kiefers verändern.

Solche Beobachtungen sind jedoch noch kein Beweis dafür, dass die CMD die Augenprobleme tatsächlich verursacht. Sehstörungen können zahlreiche augenärztliche, neurologische oder internistische Ursachen haben. Sie sollten deshalb immer fachärztlich abgeklärt werden – insbesondere, wenn sie neu auftreten, stärker werden oder nur ein Auge betreffen.

Welche CMD-Symptome können an den Augen auftreten?

Oft treten bei längerer intensiver Bildschirmarbeit Sehstörungen und andere CMD Symptome gemeinsam auf

Verschwommenes oder angestrengtes Sehen

Einige CMD Betroffene beschreiben, dass sich ihr Sehen zeitweise unscharf, unruhig oder anstrengend anfühlt. Besonders beim Lesen, bei der Arbeit am Bildschirm oder beim Wechsel zwischen Nähe und Ferne können die Augen schneller ermüden. Manche Betroffene haben das Gefühl, ihre Augen müssten sich immer wieder neu „scharf stellen“.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die tatsächliche Sehschärfe durch die CMD verändert. Auch trockene Augen, eine nicht optimal angepasste Brille, Migräne, Medikamente oder eine Störung des beidäugigen Sehens können ähnliche Beschwerden hervorrufen.

Hinweise auf eine mögliche Beteiligung des Kiefers können sein:

  • Das angestrengte Sehen tritt gleichzeitig mit Kiefer- oder Nackenverspannungen auf.

  • Die Beschwerden verstärken sich nach längerem, unbewussten Zähnepressen.

  • Gleichzeitig bestehen Kopfschmerzen an den Schläfen oder hinter den Augen.

  • Entspannung des Kiefers und der Nackenmuskulatur verändert die Beschwerden.

Diese Beobachtungen können für die Diagnostik hilfreich sein, ersetzen aber keine augenärztliche Untersuchung.

Augendruck und Druck hinter den Augen

„CMD und Augendruck“ stellen wir fest, ist eine häufige Suchanfrage. Betroffene meinen damit meist keinen ärztlich gemessenen erhöhten Augeninnendruck, sondern ein subjektives Druck- oder Spannungsgefühl rund um die Augen, hinter den Augen oder im Bereich der Stirn und Schläfen.

Ein solcher Druck kann gemeinsam mit einer starken Anspannung der Kaumuskulatur auftreten.

Insbesondere der Schläfenmuskel ist am Kauen beteiligt und kann bei häufigem Pressen überlastet werden. Dadurch können Schmerzen oder Spannungsgefühle entstehen, die in benachbarte Regionen des Kopfes ausstrahlen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem subjektiven Druckgefühl und einem tatsächlich erhöhten Augeninnendruck. Letzterer lässt sich nur durch eine augenärztliche Untersuchung feststellen. Ein verspannter Kiefer sollte deshalb niemals als alleinige Erklärung für einen neu auftretenden oder starken Augendruck angenommen werden.

Augenschmerzen und Schmerzen hinter den Augen

Auch Schmerzen rund um die Augen oder hinter einem Auge können zeitgleich mit einer CMD auftreten. Häufig handelt es sich dabei nicht um einen Schmerz, der direkt im Auge entsteht, sondern um Kopf- oder Gesichtsschmerzen, die in die Augenregion ausstrahlen.

Für eine mögliche muskuläre Beteiligung spricht, wenn die Schmerzen gleichzeitig mit folgenden Beschwerden auftreten:

  • Druck oder Schmerzen in den Schläfen

  • empfindliche Kaumuskulatur

  • Beschwerden beim Kauen oder weiten Öffnen des Mundes

  • morgendliche Kieferverspannung

  • Nacken- und Schulterverspannungen

  • Spannungskopfschmerzen

CMD kann Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur verursachen, die sich auf andere Bereiche von Kopf und Nacken ausbreiten können. Augenschmerzen sind jedoch kein eindeutiges CMD-Symptom und müssen insbesondere bei einem roten Auge, einer Sehverschlechterung oder starker Lichtempfindlichkeit augenärztlich abgeklärt werden.

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Augenflimmern, Lichtblitze und Lichtempfindlichkeit

Augenflimmern wird häufig als Flackern, Zickzackmuster, Lichtblitz oder bewegliche Struktur im Sichtfeld beschrieben. Solche visuellen Phänomene sind nicht spezifisch für CMD. Sie können beispielsweise bei einer Migräne mit Aura auftreten, aber auch durch Veränderungen an Glaskörper oder Netzhaut verursacht werden.

Auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit kann verschiedene Ursachen haben. Sie tritt unter anderem bei Migräne, Entzündungen des Auges und anderen Augenerkrankungen auf. Ein zeitgleich verspannter Kiefer bedeutet daher nicht automatisch, dass die CMD für das Augenflimmern verantwortlich ist.

Neu auftretende Lichtblitze, plötzlich zahlreiche schwarze Punkte oder ein dunkler Schatten im Gesichtsfeld sollten dringend augenärztlich untersucht werden. Das gilt besonders, wenn gleichzeitig Schmerzen oder verschwommenes Sehen auftreten.

Müde oder trockene Augen

Müde und trockene Augen sind keine typischen Kernsymptome einer CMD. Beide Beschwerden können aber unter ähnlichen Bedingungen auftreten: Stress, langes konzentriertes Arbeiten, wenig Bewegung und viele Stunden vor dem Bildschirm fördern sowohl Kieferanspannung als auch eine Überlastung der Augen. Mehr darüber, wie Stress CMD-Beschwerden verstärkt, erfahren Sie in unserem ausführlichen Ratgeber.

Bei intensiver Bildschirmarbeit blinzeln Menschen häufig seltener. Dadurch kann der Tränenfilm schneller instabil werden und die Augen können sich trocken, gereizt oder schwer anfühlen.

Gleichzeitig nehmen viele Menschen unbewusst eine angespannte Kopfhaltung ein oder pressen die Zähne aufeinander.

In solchen Situationen kann der Eindruck entstehen, die trockenen Augen würden direkt durch die CMD verursacht. Häufiger ist jedoch, dass mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig bestehen. Studien bei Bildschirmbeschäftigten zeigen ebenfalls, dass trockene Augen, muskuläre Beschwerden und CMD gemeinsam auftreten können, ohne dass daraus eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung abgeleitet werden kann.

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Doppeltsehen oder ein instabiles Blickgefühl

Manche meiner Patienten in der Klinik beschreiben nicht nur verschwommenes Sehen, sondern auch ein instabiles Blickgefühl: Schrift scheint sich beim Lesen zu bewegen, das Fixieren fällt schwer oder die Augen ermüden bei Arbeiten in der Nähe besonders schnell.

Eine mögliche Erklärung kann eine Konvergenzstörung sein. Dabei gelingt es den Augen nicht ausreichend, ein nahes Objekt gemeinsam zu fixieren. Typische Beschwerden einer Konvergenzschwäche sind angestrengte Augen, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen und gelegentlich Doppelbilder. Einige kleinere Studien (Dos Santos et al.: „Association between convergence insufficiency and temporomandibular disorder“ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32500402) fanden Konvergenzprobleme häufiger bei Personen mit CMD. Die bisherigen Ergebnisse reichen jedoch nicht aus, um CMD als Ursache solcher Sehstörungen zu bestätigen.

CMD und Sehunschärfe

Echtes Doppeltsehen sollte grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden. Beginnt es plötzlich oder tritt es zusammen mit Augenschmerzen, starken Kopfschmerzen, einem auffällig erweiterten Pupillenunterschied oder nach einer Kopfverletzung auf, ist eine sofortige medizinische Untersuchung erforderlich.

Woran könnte eine Beteiligung des Kiefers erkennbar sein?

Eine mögliche Beteiligung der Kiefer- und Nackenmuskulatur kommt eher infrage, wenn die Augenbeschwerden nicht isoliert auftreten, sondern von mehreren typischen CMD-Symptomen begleitet werden. Dazu zählen:

  • Schmerzen oder Druck im Kiefergelenk

  • verspannte oder druckempfindliche Kaumuskeln

  • Knacken oder Reiben beim Öffnen des Mundes

  • eingeschränkte Mundöffnung

  • häufiges Zähnepressen

  • Kopf- und Nackenschmerzen

  • Beschwerden an den Schläfen

  • eine Veränderung der Symptome beim Kauen oder Anspannen des Kiefers

Auch in dieser Kombination lässt sich die Ursache nicht allein anhand der Symptome bestimmen. Eine sorgfältige Untersuchung ist notwendig, um Augenprobleme, Migräne, neurologische Erkrankungen und andere mögliche Auslöser auszuschließen.

Grundsätzlich gilt: CMD und Augenbeschwerden können gleichzeitig auftreten. Ob zwischen beiden tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang besteht, muss jedoch für jeden Menschen individuell beurteilt werden. Eine CMD-Diagnostik ist besonders dann sinnvoll, wenn augenärztlich keine ausreichende Erklärung gefunden wurde und gleichzeitig deutliche Kiefer-, Kopf- oder Nackenbeschwerden bestehen.

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Wann Sehstörungen sofort ärztlich abgeklärt werden müssen

Dringend abklären lassen:

  • plötzlich auftretender Sehverlust

  • plötzlich einsetzende Doppelbilder

  • starke Augenschmerzen

  • rotes, schmerzendes Auge

  • Lichtblitze, plötzlich viele schwarze Punkte oder ein dunkler „Vorhang“

  • Sehstörungen zusammen mit Lähmungen, Sprachproblemen oder sehr starken Kopfschmerzen

  • Beschwerden nach einer Kopf- oder Augenverletzung

Plötzlicher Sehverlust oder starke Augenschmerzen gelten als medizinische Notfälle; auch plötzlich auftretende Doppelbilder und neue Lichtblitze benötigen rasche Abklärung.

Orientierung auf einen Blick

Augenbeschwerden und CMD richtig einordnen

Die folgende Übersicht zeigt, welche Beschwerden gemeinsam mit CMD auftreten können und welche anderen Ursachen ärztlich ausgeschlossen werden sollten.

Beschwerde Kann gemeinsam mit CMD auftreten? Was sollte ausgeschlossen werden?
Augendruck Möglich Erhöhter Augeninnendruck, Entzündung oder Migräne
Verschwommenes Sehen Möglich Fehlsichtigkeit, trockene Augen oder neurologische Ursachen
Schmerzen hinter den Augen Möglich Migräne, Entzündung oder Glaukom
Augenflimmern Nicht spezifisch für CMD Migräne oder Veränderungen an Netzhaut und Glaskörper
Doppeltsehen Nicht als typische CMD-Beschwerde voraussetzen Augenärztliche oder neurologische Ursachen
Lichtempfindlichkeit Möglich, aber unspezifisch Migräne sowie Hornhaut- oder Augenentzündungen

Wichtig: Die Tabelle dient nur der ersten Orientierung. Neu auftretende, starke oder zunehmende Sehbeschwerden sollten augenärztlich und gegebenenfalls neurologisch abgeklärt werden.

Der Weg zur Klarheit: Was jetzt sinnvoll ist

Augenbeschwerden und CMD können gleichzeitig auftreten – doch daraus lässt sich nicht automatisch schließen, dass der Kiefer die Ursache ist. Entscheidend ist deshalb ein schrittweises Vorgehen: Zunächst müssen mögliche Erkrankungen der Augen oder des Nervensystems ausgeschlossen werden. Anschließend kann geprüft werden, ob zusätzlich eine funktionelle Störung des Kiefers, der Kaumuskulatur oder der Halswirbelsäule an den Beschwerden beteiligt sein könnte.

1. Ursachen sorgfältig klären

Neu auftretende, zunehmende oder ungewöhnliche Sehstörungen sollten immer zuerst augenärztlich abgeklärt werden. Je nach Art der Beschwerden kann zusätzlich eine neurologische Untersuchung sinnvoll sein.

Wenn dabei keine ausreichende organische Erklärung gefunden wird und gleichzeitig typische CMD-Anzeichen bestehen, kann eine gezielte CMD-Diagnostik der nächste sinnvolle Schritt sein.

In meiner Praxis nutze ich dafür spezielle Funktionsanalysen. Dabei untersuche ich unter anderem:

  • die Beweglichkeit und Funktion der Kiefergelenke

  • die Spannung und Druckempfindlichkeit der Kaumuskulatur

  • mögliche Abweichungen beim Öffnen und Schließen des Mundes

  • die Zusammenarbeit von Kiefer, Kopfhaltung und Nacken

  • mögliche Zusammenhänge zwischen den Beschwerden und dem Zähnepressen

Ziel ist nicht, jede Sehstörung nachträglich der CMD zuzuschreiben.

Vielmehr geht es darum, herauszufinden, ob eine funktionelle Belastung des Kausystems einen zusätzlichen Anteil an den Beschwerden haben könnte.

Dr. Silke Raitarowsky
Zahnärztin & CMD-Spezialistin

2. Mehrere Belastungsfaktoren gemeinsam behandeln

Wenn eine CMD diagnostiziert wird, gibt es selten nur einen einzelnen Auslöser. Häufig wirken muskuläre Überlastung, ungünstige Gewohnheiten, Stress, Zähnepressen, Bildschirmarbeit und eine angespannte Kopfhaltung zusammen.

Deshalb besteht eine sinnvolle CMD-Behandlung meist aus mehreren individuell abgestimmten Bausteinen. Dazu können gehören:

  • eine individuell angepasste Aufbissschiene

  • physiotherapeutische Entspannungs- und Mobilisationstechniken

  • sanfte Übungen für Kiefer, Nacken und Schultern

  • ein gezieltes Stress- und Pressmanagement

  • Atem- und Entspannungsübungen

  • Veränderungen belastender Alltagsgewohnheiten

  • bei Bedarf psychotherapeutische Unterstützung zum Erkennen und Verändern alter Spannungsmuster

  • gegebenenfalls eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Augenärzten, Neurologen, Physiotherapeuten oder Osteopathen

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von der individuellen Diagnose ab. Nicht jeder Mensch benötigt alle genannten Bausteine. Bei manchen Betroffenen können bereits kleine Veränderungen – etwa häufigere Bildschirmpausen, eine entspanntere Kieferhaltung oder das bewusste Unterbrechen des Zähnepressens – zu einer spürbaren Entlastung beitragen.

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3. Die eigenen Beschwerden besser verstehen

Viele meiner Patientinnen und Patienten sagen mir nach der Diagnostik sinngemäß:

„Endlich weiß ich, was in meinem Körper passiert – und was ich selbst tun kann.“

Dieses Verständnis ist ein wichtiger Teil der Behandlung. Wer erkennt, wann sich der Kiefer anspannt, welche Situationen Beschwerden verstärken und welche Maßnahmen Entlastung bringen, kann früher und gezielter reagieren.

Dabei geht es nicht nur darum, passiv behandelt zu werden. Ziel ist es, Schritt für Schritt wieder mehr Kontrolle über die eigenen Beschwerden zu gewinnen. Ein einfaches Symptomtagebuch kann dabei helfen: Notieren Sie, wann die Augenbeschwerden auftreten und ob gleichzeitig Stress, Bildschirmarbeit, Kieferanspannung, Kopfschmerzen oder Nackenverspannungen bestehen.

So entsteht mit der Zeit ein klareres Bild. Dieses ersetzt keine fachärztliche Diagnose, kann aber wertvolle Hinweise für die weitere Untersuchung und eine individuell abgestimmte Behandlung liefern.

Die gute Nachricht ist: CMD ist kein Schicksal, mit dem Sie sich abfinden müssen. Oft reichen kleine Anpassungen im Alltag, gezielte Entspannungstechniken und ein bewusstes Verhalten, um die Beschwerden deutlich zu lindern oder sogar ganz in den Griff zu bekommen.

Lesen Sie weiter im Artikel: Kann CMD geheilt werden?

Quellen und Studien zu CMD und Augenbeschwerden

Die bisherige Forschung liefert einzelne Hinweise auf mögliche Zusammenhänge zwischen CMD, Augenkonvergenz und visuellen Beschwerden. Gleichzeitig zeigen die Quellen, weshalb Sehstörungen zunächst augenärztlich und gegebenenfalls neurologisch abgeklärt werden sollten.

Querschnittsstudie · 2021

Zusammenhang zwischen Konvergenzinsuffizienz und CMD

Dos Santos D. M. et al.: Association between Convergence Insufficiency and Temporomandibular Disorder: Cross-Sectional Study. Clinical Oral Investigations, 2021; 25(3):851–858.

Die Forschenden untersuchten 138 Personen mit CMD und 46 Personen ohne CMD. Dabei wurden die Kieferfunktion, die Schmerzintensität und die Fähigkeit der Augen geprüft, ein nahes Objekt gemeinsam zu fixieren. Konvergenzprobleme wurden insbesondere bei stärker ausgeprägter CMD häufiger festgestellt.

Einordnung: Die Studie zeigt eine statistische Verbindung, beweist aber nicht, dass CMD eine Konvergenzstörung verursacht. Aufgrund des Querschnittsdesigns kann keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung abgeleitet werden.

Literaturübersicht · 2025

Was ist über CMD, Okklusion und visuelle Funktionen bekannt?

Alshehri F. S., Alshehri A. S., Alhejali A. E., Alshehri A. S. und Alshehry K. S.: The Relationship between Dental Occlusion and Visual Dysfunctions: A Literature Review. Journal of Orthodontic Science, 2025; 14:55.

Die Übersichtsarbeit untersuchte wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Zahnkontakt, CMD und visuellen Funktionen. Einzelne Studien beschrieben mögliche Zusammenhänge mit Augenbewegungen, Pupillenreaktionen oder der Konvergenz. Die Ergebnisse waren jedoch nicht einheitlich.

Einordnung: Die Autorinnen und Autoren bewerten die vorhandene Evidenz als fragmentiert und qualitativ unsicher. Kleine Stichproben, unterschiedliche Untersuchungsmethoden und fehlende unabhängige Wiederholungen erlauben bislang keine sichere Aussage über Ursache und klinische Bedeutung.

Augenärztliche Fachinformation · 2022

Lichtblitze, schwarze Punkte und Schatten als Warnzeichen

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft: Notfall Netzhautablösung – Kurzsichtige bleiben auch nach Laser-Behandlung besonders gefährdet. Pressemitteilung, April 2022.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft nennt neu auftretende bewegliche schwarze Punkte, Nebel, Lichtblitze und einen gleichbleibenden oder größer werdenden Schatten im Gesichtsfeld als mögliche Warnzeichen einer Netzhautveränderung oder Netzhautablösung.

Einordnung: Eine Netzhautablösung ist ein augenärztlicher Notfall. Solche Beschwerden sollten nicht vorschnell einer CMD zugeschrieben werden, sondern möglichst rasch augenärztlich untersucht werden.

Offizielle Patienteninformation · 2024

Wann Doppeltsehen ärztlich abgeklärt werden muss

National Health Service: Double Vision. Offizielle medizinische Patienteninformation, zuletzt geprüft am 12. Januar 2024.

Der NHS empfiehlt, Doppeltsehen auch dann untersuchen zu lassen, wenn es nur zeitweise auftritt. Eine dringende Abklärung ist insbesondere bei plötzlich beginnendem Doppeltsehen oder bei gleichzeitig auftretenden Augenschmerzen notwendig.

Einordnung: Bei Doppeltsehen zusammen mit starken Kopfschmerzen, einer auffällig erweiterten Pupille oder nach einer Kopfverletzung ist eine sofortige medizinische Untersuchung erforderlich.

Wissenschaftliche Übersichtsarbeit · 2021

Bildschirmnutzung, verändertes Blinzeln und trockene Augen

Al-Mohtaseb Z., Schachter S., Shen Lee B., Garlich J. und Trattler W.: The Relationship between Dry Eye Disease and Digital Screen Use. Clinical Ophthalmology, 2021; 15:3811–3820.

Die Übersichtsarbeit beschreibt einen Zusammenhang zwischen längerer Bildschirmnutzung und Beschwerden trockener Augen. Als möglicher Mechanismus werden veränderte Blinzelmuster genannt, die die Stabilität des Tränenfilms beeinträchtigen können.

Einordnung: Bildschirmarbeit kann trockene oder müde Augen begünstigen und gleichzeitig zu einer angespannten Kopf- und Kieferhaltung beitragen. Daraus folgt jedoch nicht, dass CMD die trockenen Augen direkt verursacht.

Offizielle Gesundheitsinformation · NIDCR/NIH

CMD kann Schmerzen in Gesicht und Nacken ausstrahlen lassen

National Institute of Dental and Craniofacial Research: TMD – Temporomandibular Disorders. National Institutes of Health.

Das US-amerikanische Forschungsinstitut beschreibt CMD als eine Gruppe von Erkrankungen, die Schmerzen und Funktionsstörungen im Kiefergelenk und in der Kaumuskulatur verursachen können. Genannt werden unter anderem Schmerzen, die in das Gesicht oder den Nacken ausstrahlen.

Einordnung: Die Quelle bestätigt mögliche ausstrahlende Schmerzen im Gesichts- und Nackenbereich. Sie belegt jedoch nicht, dass Schmerzen hinter den Augen oder Sehstörungen grundsätzlich durch CMD verursacht werden.

Wissenschaftlicher Hinweis: Die vorhandenen Studien liefern Hinweise auf mögliche Zusammenhänge zwischen CMD, Kiefer- und Nackenbeschwerden sowie einzelnen visuellen Funktionen. Sie belegen nicht, dass Sehstörungen grundsätzlich durch CMD verursacht werden. Neu auftretende, starke oder zunehmende Augenbeschwerden sollten augenärztlich und gegebenenfalls neurologisch abgeklärt werden.
Dr. Silke Raitarowsky

Über die Autorin

Dr. Silke Raitarowsky ist Zahnärztin mit eigener Praxis in Bad Homburg und spezialisiert auf die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend CMD sein kann – denn sie war selbst jahrelang betroffen.

Nach unzähligen Fortbildungen und intensiver Auseinandersetzung mit Fachliteratur gelang ihr der Durchbruch: Sie konnte ihre Beschwerden dauerhaft lindern – ganz ohne Schiene. Heute hilft sie anderen Betroffenen, ihre CMD zu verstehen, gezielt zu behandeln und wieder neue Lebensqualität zu gewinnen.

Dr. Raitarowsky hat ein eigenes, leitlinienkonformes Behandlungskonzept entwickelt, das fundiertes Fachwissen mit einer verständlichen, alltagstauglichen Anleitung kombiniert. In ihrer Praxis behandelt sie regelmäßig auch schwere Fälle – Menschen, die durch CMD arbeitsunfähig wurden, ihre Partnerschaft nicht mehr leben konnten oder sich völlig zurückgezogen hatten.

Sie ist außerdem Autorin des Buches „CMD verstehen und meistern“ sowie Entwicklerin des Online-Masterkurses „CMD heilen“, der Betroffene Schritt für Schritt durch ein ganzheitliches Selbstbehandlungsprogramm führt. Beide Angebote basieren auf ihrer langjährigen Erfahrung und vermitteln kompaktes Wissen in praxisnaher Form.

Dr. Raitarowsky hat das CMD Soforthilfe Kit entwickelt: eine praktische Unterstützung für Betroffene, die ihren Kiefer zuhause oder unterwegs gezielt entlasten und bewusster mit Anspannung im Kausystem umgehen möchten.

Mehr über Dr. Raitarowsky erfahren

CMD und Sehstörungen – das sollten Sie wissen

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